... machen --
Anfang der 60'er - in "West-Berlin"
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Ich trete in vielen amerikanischen Offiziers- und GI-Clubs auf:
Im damalige Offiziersclub der US Alliierten "NCO Club Silverwings", im Flughafen Tempelhof (zählte zu den ältesten Clubs in Berlin), den "Andrew-Barracks" und "Mc Nair" in Berlin-Zehlendorf und in Berliner Clubs, die hauptsächlich von GI's besucht werden: Im legendären "White Horse", der "Rakete" in Lichterfelde und im "Club 45" in Friedenau in der Rheinstraße. "Grüne Hölle" in Schöneberg, Postdamer Straße, Im "HAJO" am Nollendorfplatz. Natürlich auch in "Reindeutschen" Läden ... Dem "Schwarzer Adler" Potsdamer Straße. In der "Dachluke" am Kreuzberger Mehringdamm, der "Uferbar" im Wedding, im Kreuzberger "Casaleon" und im Spandauer "Casaleon 2", im Neuköllner "Star-Club-Berlin", im "Hühnerstall" dem späteren "Atelier 13", Bürknerstraße, wo der tanzverrückte "Zitterpaul" auftrat. Zitterpaul gab in den Nachmittagsstunden Tanzunterricht, damit Abends bewundernde Blicke von den nicht so perfekten Tänzern geerntet werden konnten, Im "Atelier 13" spielten in der Hauptsache der "Rock-Opa" "Dob Dobberstein And The Four Dobs", und "Didi And His ABC-Boys" mit dem damaligen "Gitarren-Gott" Rainer Krause oder "Hatti and the Moondoghies", Hatti war der Bruder von Didi. Allerdings gingen sich die beiden Brüder damals lieber aus dem Weg ... Nachdem es die "Jetniks" nicht mehr gab, trat ich viel als Sänger solo auf, stieg bei anderen Bands mit ein. So auch im "Rheingold" am Richard-Wagner-Platz, wo ich oftmals wieder "Manuela" begegnete.

Später trat ich auch in Frankfurt /M., Kaiserslautern, Pirmasens, Ramstein, Mannheim, Fürstenfeld-Bruck, Kassel usw. auf, wo mich die Amis hören wollen. Ich verdiene mich in dieser Zeit dumm und dämlich ... Die GI's nennen mich "THE GERMAN ELVIS". Sie stehen alle nur auf Rock 'N' Roll, flippen bei Titeln von Elvis Presley, Bill Haley, Little Richard, Chuck Barry, Wanda Jackson völlig aus. Aber auch leisere Töne von Neil Sedaka, Frank Sinatra, Al Martino, Dean Martin kommen bei ihnen an. Und so manch süßes deutsche "Fraulein" schmilzt bei diesen Klängen schmachtend dahin ... Titel wie Hounddog, Let's Have A Party, Jail House Rock, Strangers In The Night, Blue Spanish Eyes, The Lion Sleeps Tonight müssen ständig wiederholt werden.

In der "Blaue Grotte" in Pirmasens, bin ich dann für drei Monate "Geschäftsführer". Der Chef besucht in dieser Zeit seine Familie in den USA. Er vertraut mir und beteiligt mich am Umsatz. Ich bin in der Pfalz für die Ami's "The Rocking Waiter" ... der rockende Kellner, die besondere Show-Atraktion, die auch in der Pfälzer Presse und im Rundfunk Beachtung findet. Zwei Reporter des Militärmagazins "Stars And Stripes" aus Frankfurt besuchen mich in der "Blauen Grotte", einer aus viel buntem Pappmaschée nachempfundenen Tropfsteinhöhle. Verwinkelt, mit vielen düsteren Nieschen. So mögen 's die GI 's! Die Umsätze, die ich in dieser Zeit erziele, werden, nachdem ich wieder in Berlin bin, nie mehr erreicht, erzählt mir später der Inhaber. Und die Mädels ... so manch süßes Ami-Liebchen, wenn sie sich von ihren Boy am Kasernentor verabschiedet hat, ist überhaupt nicht müde und kommt wieder zur "Blauen Grotte" zurück ... Ich habe ja dort die Wohnung und den Cadillac vom Chef ... Das ich da erst 17 bin, ahnt niemand. Einen Führerschein habe ich im Frühjahr 1961 natürlich auch noch nicht ... (dürfte wohl inzwischen verjährt sein ...)
Zu den Auftritten der Jetnik's in Berlin
erscheint öfter ein 15-jähriger Junge ...
... wenn wir Pause machen, fragt er: "Addi, darf ich wieder eine Einlage bringen?" Er darf! Denn das Publikum - alles "ganz harte Rock 'N' Roller" und ihre coolen Bräute - sind fasziniert von der Stimme dieses Jungen, wenn er á capella (ohne instumentale Begleitung und ohne Mikrofon) sein "Ave Maria" singt. Es ist dann immer muxmäuschenstill und die "harten Jungs" werden "ganz weich", wenn er seine Stimme erklingen läßt. Später sind WIR dann stolz, wenn ER dann bei uns mit einsteigt. Er hat nämlich gerade seine erste Platte draußen: Voller Stolz kommt er abends in den "Star-Club-Berlin" am Kottbusser Damm,
in Berlin-Neukölln
und schenkt mir sofort am Erscheinungstag eine "Ersttags-Pressung" ... und die Scheibe wird sofort ein Hit:

"Teeny, ich schieß dir eine Rose"
Von wem hier die Rede ist? Natürlich von
DRAFI DEUTSCHER
Mein Freund Drafi, starb am 9. Juni 2006, in Frankfurt am Main und wurde, auf eigenen Wunsch, MIT HUT in Berlin beigesetzt.

In jener Zeit besucht uns auch häufig die populäre Berliner Schlagersängerin Manuela (Doris Wegner)
"Schuld war nur der Bossa Nova"
, "Ich geh' noch zur Schule", wenn es ihr ihre Zeit erlaubt und sie gerade keine anderen Termine hat. Manuela hat immer großen Spaß daran, zu uns auf die Bühne zu kommen und ihren Fans gehörig einzuheizen. Gage verlangt sie nie für ihre Spontanauftritte. Manuela lässt sich gar nicht erst lange bitten. Sie kommt von ganz alleine zu uns hoch, lacht, nimmt das Mikro und legt einfach los ... Als ihre erste Platte rauskommt (1963) stürmt sie zu uns auf die Bühne und weinte vor lauter Freude wie ein Schlosshund ...

Manuela ist auch viel zu früh von uns gegangen. Sie starb im März 2001.

Es kommen aber auch andere Stars:

Einmal sitzt auch Rex Gildo († 26. Oktober 1999 in München) mit großem Gefolge im Publikum. Am einzigen, auf die Schnelle, weiß eingedeckten Tisch. Das Volk johlt - will das er auf die Bühne kommt. Aber "Sexy Rexy" gibt nicht einmal ein einziges Autogramm. Viele neue Freunde macht er sich an diesem Abend damit bestimmt nicht.

Ein weltbekannter Berliner Filmstar und ganz enger Freund von mir, schaut auch regelmäßig zu uns rein:

Horst Buchholz, der "Halbstarke".
Auch er liebt den Rock 'N' Roll über Alles ...

Der Schauspieler, Horst Buchholz ist privat eher schüchtern, höflich und sehr zurüchhaltend. Er mag es überhaupt nicht, wenn ich ihn über das Mikrofon namentlich begrüße. Eines Abends bittet er mich, es doch künftig zu unterlassen.
"Die Leute sehen doch auch so, dass ich da bin ..."

Mit Hotte verbindet mich später noch eine lange Freundschaft. Egal wann ich Hotte anrufe. Auf einen Drink oder für ein gemeinsames gutes Essen nimmt er sich immer gerne Zeit mit uns. Nur wenn seine Frau Miriam Brú aus Paris kommt, ist er für niemanden sonst zu sprechen. Dann stellt er sich in die Küche seiner Wohnung am Kurfürstendamm und bekocht sie. "Und an die Soßen muß immer viel Gin dran", erzählt er, "das liebt sie ganz besonders ..."

Auch meine Frau Petronella mag er sehr. Zum Beispiel lässt er es sich nicht nehmen, sich mitten auf dem Ku 'damm, im vollbesetzen Straßencafé, vor sie aufzubauen und ihr aus voller Kehle zum Geburtstag ein "Happy Birthday" zu schmettern. Das ist ihr aber peinlich ... weil Hotte natürlich sofort erkannt wird und es sofort zu einem Menschenauflauf kommt. Wildfremde Touristen gratulieren IHR danach auch noch und fotografieren sie mit Hotte, um IHM näher sein zu können ... Es ist mir ja bekannt, das Horst als junger Mann neben seiner Schauspielausbildung auch Gesang studiert hatte. Aber ich weiß bis dato auch noch nicht, was für eine gewaltige "Röhre" in dieserer kleinen Person steckt. Ich bin jedenfalls enorm beeindruckt, was Horst mit den Worten

"Da staunste, wa ...?" quittiert und dabei verschmitzt lacht.

Abends kommt er dann noch zur Geburtstagsfeier ins "Praya Thai", wo die anderen Gäste schon etwas verblüfft dreinschaun, als plötzlich der Weltstar Horst Buchholz zur Tür herein kommt ...


PETRONELLA mit unserem langjährigen, guten Freund HORST BUCHHOLZ

Petronellas Freundin ganz aufgeregt Inge Schwan: "Guck mal, is det nich der Buchholz ...?" Als Hotte dann mit einem riesengroßen Blumenstauß auf Petronella zugeht, ihr nochmals ein Happy Birthday schmettert, sich per Handschlag bei allen anderen Gästen vorstellt und sich dann auch noch zu uns mit an den Tisch setzt, klappt der guten Inge, im wahrsten Sinn des Wortes, die Kinnlade herunter. Meine Frau hatte ihr vorher natürlich nichts von unserem Überraschungsgast erzählt. Als Hotte dann dann noch einige, mit uns gemeinsam erlebte Episoden raushaut, ist Inge für kurze Zeit etwas pikiert darüber, dass ihre beste Freundin ihr gegenüber noch nie etwas von Hotte erwähnt hatte.

Die beiden letzten Fotos, die ich von Horst gemacht hatte. Hier in seinem Apartement am Ku'damm, mit seinem Sohn Christopher

... und das alleletzte Foto, bevor er starb, in seiner Lieblingskneipe, schräg gegenüber von seiner Wohnung am Kurfürstendamm
Fotos: © 2003 by Walter Becher Pressefoto Berlin.
Download geschützter Bilder ist strafbar und wird gerichtlich verfolgt!

Unsere Inge geht am 23. Juli 2005 im Alter von nur 63 Jahren, völlig unerwartet, für immer von uns. Nur fünf Monate später, am 5. Dezember 2005, folgt ihr ihr Mann, unser guter Freund Rolf Schwan, im Alter von 66 Jahren nach. Und auch meine geliebte Petronella weilt seit über einem Jahr nicht mehr unter uns ... Sie schlief nach langer, schwerer Krankheit, am 13. September 2010, nach 40 gemeinsamen, glücklichen Jahren, auch im Alter von erst 66 Jahren, die Hände unseres Sohnes Alexander und meine haltend, friedlich ein.

Unser lieber Horst Buchholz hatte sich ja bereits am 3. März 2003, von dieser Welt verabschiedet.
Udo Lindenberg nach der Trauerfeier:

"Hotte ist nicht ganz weg. Er wohnt jetzt nur woanders ..."

Doch wieder zurück zu den Jetniks: Am 22. November 1963, ist ganz plötzlich Schluss: Wir sollen ja eigentlich an diesem Samstagabend wieder - wie schon so oft - in der "RAKETE" in Berlin-Lichterfelde auftreten. Da geht plötzlich eine unglaubliche Meldung durch die Nachrichten und der ganzen Welt stockt der Atem:

"John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika fiel heute
in Dallas / Texas einem Attentat zum Opfer. Der Präsident wurde von Schüssen in den Kopf getroffen.
Kennedy erlag im Krankenhaus von Dallas seinen schweren Verletzungen ..."

Der Schock sitzt sehr tief. In ganz Berlin herrschen Bestürzung und tiefe Trauer. Ein Auftritt an diesem Abend ist natürlich unmöglich . Wir sind zwar alle da, bauen aber nur unsere Anlage ab. Es ist eine gespenstische Kulisse. Nicht ein einziger Gast ist an diesem Samstagabend gekommen ... Wir packen ganz still unsere Anlage ein um dann danach - zwar ungewollt - aber doch für immer auseinander zu gehen. Damals, nach dem Attentat, gab es für Wochen keinerlei Veranstaltungen mehr in den amerikanischen Clubs. Auch die deutschen Clubs hatten nach dem Attentat alle Veranstaltungen drastisch heruntergefahren. Warum sich in dieser Zeit keiner von uns mehr um neue Engagements bemühte, kann ich heute nicht mehr so genau sagen.

Es geht einfach nicht mehr weiter und jeder von uns geht von da an seiner Wege

... die gute alte Rock 'N' Roll-Band

gibt es nicht mehr ...

In den darauf folgenden Jahren setzt ein großes "Band-Sterben" ein.
Es gibt kaum noch Veranstalter die Live-Bands engagieren.

Dafür ist plötzlich eine völlig neue Welle da und die geht um die ganze Welt.
Und dieser Trend hat sich bis heute prächtig gehalten:

Die "DISCOTHEKEN" sind geboren ...

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